Beitragsbild für die alten Kuhhaut-Artikel

Block­satz im In­ter­net

Den Block­satz ha­be ich in jun­gen Jah­ren mit Mes­ser zwi­schen den Zäh­nen ver­tei­digt, was an­de­res kam mir nicht aufs Blatt.

Links­bün­di­ge Tex­te emp­fand ich als un­äs­the­tisch, und sie strahl­ten so et­was Un­fer­ti­ges aus; als ob sie dar­auf war­te­ten, noch den letz­ten Fein­schliff zu er­hal­ten.

Ei­nes Ta­ges kam der Trend zum Links­bün­di­gen auf; selbst­ver­ständ­lich ha­be ich mich dem zu­nächst ver­wei­gert. In­zwi­schen bin ich um­ge­fal­len.

War­um, was spricht ei­gent­lich ge­gen die­ses schö­ne Ge­stal­tungs­mit­tel?

Kei­ne Tren­nun­gen im In­ter­net

Für al­les, was on­line pu­bli­ziert wird, ist der Block­satz be­dingt taug­lich, da in In­ter­net­tex­ten kei­ne Tren­nun­gen ver­wen­det wer­den. Zwei Bei­spie­le aus äl­te­ren kuh­haut-Ar­ti­keln de­mons­trie­ren es:

Löcher im Blocksatz-Text

Löcher im Blocksatz-Text

Hier Tren­nun­gen ein­zu­ar­bei­ten, er­höht den Auf­wand beim Pu­bli­zie­ren mas­siv. Oder mit dem Ty­po­le­xi­kon ge­spro­chen: „Ein qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Block­satz muss grund­sätz­lich im­mer hän­disch nach­be­ar­bei­tet wer­den.“ Für den pro­fes­sio­nel­len On­line-Ein­satz eig­net sich das nicht. Be­rück­sich­ti­gen Sie auch die Spal­ten­brei­te: Je schma­ler der Text, des­to Loch.

Les­bar­keit im In­ter­net

Noch sind wir bei der Op­tik, jetzt geht es ans Ein­ge­mach­te, denn der Block­satz ist schlech­ter les­bar. Flat­ter­satz (= al­le Bün­di­gen) bie­tet mit sei­nen un­ter­schied­li­chen Zei­len­län­gen mehr Ab­wechs­lung fürs Le­ser­au­ge. In Be­zug auf die vi­su­el­le Ver­ar­bei­tung ist der Block­satz al­so schlicht ein­tö­ni­ger.

Viel­leicht ist das in­di­vi­du­ell ver­schie­den, zu­min­dest war es mir in Bü­chern noch nie ne­ga­tiv auf­ge­fal­len. Al­ler­dings glau­be ich, dass bei In­ter­net­tex­ten et­was dran ist. Le­sen am Mo­ni­tor strengt im Ver­gleich zu Druck-Er­zeug­nis­sen oh­ne­hin mehr an, und die Kom­bi­na­ti­on aus den teil­wei­se löch­ri­gen Tex­ten und der mo­no­to­ne­ren Wir­kung fürs Au­ge macht’s nicht bes­ser.

Aus die­sem Grund ha­be ich mich auch in die­sem Blog für den Flat­ter­satz ent­schie­den. Vor­erst.

Ak­tua­li­sie­rung 18.04.16: Tren­nun­gen in Word­Press

Seit der Ar­ti­kel 2008 (!) er­schie­nen ist, hat sich doch ei­ni­ges ge­tan. Er­freu­li­cher­wei­se las­sen sich Tren­nun­gen in Word­Press-Ar­ti­keln in­zwi­schen mit­hil­fe ei­nes Plugins rea­li­sie­ren: WP Ty­po­gra­phy, das oh­ne­hin in je­des ty­po­gra­phie­be­wuss­te Blog ge­hört.

Mei­ne Mei­nung zum Block­satz hat sich in­des nicht ge­än­dert: Im Web be­vor­zu­ge ich links­bün­di­ge Tex­te. Aus­nah­men be­stä­ti­gen die Re­gel.

Kom­men­tar im Bild

Der Ar­ti­kel ist ur­sprüng­lich auf der kuh­haut er­schie­nen. Es gab ei­nen Kom­men­tar da­zu, den ich hier als Screen­shot nach­rei­che.

Kommentar Carolin (Bücher)kram zum Artikel "Blocksatz im Internet"

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