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Von Fall zu Fall: Ge­ni­tiv, Da­tiv oder Akkusativ?

Die Fälle im Deutschen sind manchmal trickreich. Es folgen ein wenig Sortierung und der Blick auf knackige Fälle.

Sie wol­len ei­ne DVD samt ei­nes Me­nüs er­stel­len? Kein Pro­blem, mit­tels un­se­rem spe­zi­el­len Tool ge­lingt Ih­nen das so­fort. Pro neu­em Ex­em­plar lie­fern wir je erst­ma­li­gem Be­stel­ler noch ei­ne Test­ver­si­on un­se­res La­bel-Druck-Pro­gramms. Der Preis ver­steht sich in­klu­si­ve dem Por­to.

So ge­ballt wie in die­sem fik­ti­ven Wer­be­text sprin­gen ei­nen fal­sche Fall­ver­wen­dun­gen sel­ten an und fal­len oft nicht mal auf. 

Die meis­ten Satz-Klein­teil­chen – vor al­lem sind es Prä­po­si­tio­nen – wer­den mit Ge­ni­tiv ver­bun­den, z. B. auf­grund des … oder man­gels ei­nes

Das ver­führt da­zu, über­zu­ge­ne­ra­li­sie­ren und mun­ter al­les mit dem Ge­ni­tiv zu­sam­men­zu­ta­ckern, was nicht laut und deut­lich ge­nug „Da­tiv“ oder „Ak­ku­sa­tiv“ schreit. 

Über­sicht

Die fol­gen­de Lis­te ist ein An­ge­bot, da­mit die Zu­ord­nun­gen in Zu­kunft si­che­rer von der Hand ge­hen. Da­nach se­hen wir uns die Aus­nah­men und Be­son­der­hei­ten an, auf die man ach­ten muss. 

Ge­ni­tiv

  • auf­grund
    auf­grund der gro­ßen Nachfrage
  • be­züg­lich
    be­züg­lich Ih­rer Rückfrage
  • bin­nen
    bin­nen meh­re­rer Wo­chen
  • dank
    dank gu­ter Freunde
  • ein­schließ­lich
    ein­schließ­lich der Servicegebühren
  • hin­sicht­lich
    hin­sicht­lich der miss­li­chen Umstände
  • in­klu­si­ve
    in­klu­si­ve der Mehrwertsteuer
  • man­gels
    man­gels not­wen­di­ger Fähigkeit
  • plus
    plus der bei­den Bonustitel
  • trotz
    trotz des auf­kom­men­den Sturms
  • zu­züg­lich
    zu­züg­lich der Versandkosten
  • zwecks
    zwecks ei­nes ge­ord­ne­ten Ablaufs

Da­tiv

  • bin­nen
    bin­nen meh­re­ren Wochen
  • ge­mäß
    ge­mäß Ih­rem Schrei­ben oder Ih­rem Schrei­ben gemäß
  • ge­treu
    ge­treu mei­nem Motto
  • pro
    pro neu­em Computer
  • ent­spre­chend
    ent­spre­chend mei­nem Schrei­ben oder mei­nem Schrei­ben entsprechend
  • samt
    samt dem Anhang

Ak­ku­sa­tiv

  • je
    je neu­en Bewerber
  • per
    per Er­wach­se­nen
  • pro
    pro neu­en Computer
  • wi­der
    wi­der bes­se­res Wissen

Nach­dem Du Dich auf­wär­men konn­test, pa­cken wir nun ein paar Ge­wich­te drauf. 

Die schwe­ren Brocken

Man­che Prä­po­si­tio­nen le­gen sich auf ei­nen Fall fest. Du kannst bei­spiels­wei­se bei auf­grund mit dem Ge­ni­tiv nie et­was falsch ma­chen. Bei an­de­ren gibt es Aus­nah­men und Be­son­der­hei­ten; gut, dass sie sich auf vier Be­rei­che ein­gren­zen lassen. 

1. Ein Wort – zwei Fälle

Es sind zwei ver­schie­de­ne Fäl­le al­ter­na­tiv er­laubt: trotz funk­tio­niert mit Ge­ni­tiv (trotz der ein­dring­li­chen War­nun­gen) oder – laut Du­den vor al­lem im süd­deut­schen Raum – eben­so mit Da­tiv (trotz den ein­dring­li­chen War­nun­gen). Der Ge­ni­tiv ist stan­dard­sprach­lich die be­vor­zug­te Variante. 

Ähn­lich ist es bei dank: dank dem be­herz­ten Ein­grei­fen ist zwar nicht falsch, gilt aber als zwei­te Wahl. 

Der Ge­ni­tiv kann aber auch die zwei­te Gei­ge spie­len, wie bei bin­nen: Hier wird der Ge­ni­tiv (bin­nen meh­re­rer Wo­chen) vom Du­den als „ge­ho­ben“ auf die hin­te­ren Rän­ge ver­wie­sen und der Da­tiv (bin­nen meh­re­ren Wo­chen) als Stan­dard genannt. 

Pro lässt sich mit Ak­ku­sa­tiv und Da­tiv ver­bin­den: pro neu­en Com­pu­ter steht in et­wa gleich­be­rech­tigt ne­ben pro neu­em Com­pu­ter.

2. Ein Wort – zwei Wortarten

Manch­mal kann ein Wort nicht nur als Prä­po­si­ti­on auf­ge­fasst wer­den, son­dern je nach Kon­text auch als Ad­verb bzw. Kon­junk­ti­on.

Das Pa­ra­de­bei­spiel hier­zu ist plus:

Prä­po­si­ti­on: plus der bei­den Bo­nus­ti­tel

Kon­junk­ti­on: plus die bei­den Bo­nus­ti­tel

Kon­junk­tio­nen sind Wör­ter wie und; Du könn­test hier al­so test­wei­se auch und statt plus ein­set­zen: und die bei­den Bo­nus­ti­tel.

Pro und je sind sich so ähn­lich, dass man leicht die Un­ter­schie­de über­sieht. Im Ge­gen­satz zu pro ist je auf Ak­ku­sa­tiv be­schränkt: je neu­en Be­wer­ber.

An­de­rer­seits lässt sich je als Ad­verb ver­wen­den. Dar­um ist je neu­er Be­wer­ber kor­rekt. Wenn Du mich fragst, was ge­läu­fi­ger ist: Geh im Ein­zel­fall ru­hig nach Ge­fühl, was stim­mi­ger klingt; grob ge­schätzt wür­de ich der Ver­wen­dung als Prä­po­si­ti­on den Vor­zug ge­ben, al­so je neu­en Teil­neh­mer.

3. Al­lein­ste­hen­des Bezugswort

Das Be­zugs­wort steht oh­ne Ar­ti­kel bzw. Men­gen­an­ga­be da und wird des­halb nicht de­kli­niert (ge­beugt): ein­schließ­lich Be­grü­ßungs­ge­schenk; in­klu­si­ve Mün­chen.

4. Fall­wech­sel bei Plural

Im Sin­gu­lar (Ein­zahl) steht ein Wort bei­spiels­wei­se im Ge­ni­tiv: be­züg­lich Ih­res An­trags. Im Plu­ral (Mehr­zahl) bleibt der Ge­ni­tiv nur dann be­stehen, wenn er deut­lich er­kenn­bar ist: be­züg­lich Ih­rer An­trä­ge. Das Ih­rer sorgt für die Er­kenn­bar­keit. Geht es hin­ge­gen all­ge­mein um ir­gend­wel­che An­trä­ge, dann wech­selst Du in den Da­tiv: be­züg­lich An­trä­gen. Das gilt un­ter an­de­rem auch für ein­schließ­lich, man­gels, je.

Im Zwei­fels­fall muss man nach­schla­gen, wel­ches der Wör­ter sich wie ver­hält. Ich hof­fe, Du bist jetzt ge­wapp­net zu er­ken­nen, wann es kri­tisch wird und der Griff zum Wör­ter­buch ei­ne gu­te Idee ist. 

Erst­ver­öf­fent­li­chung als Zwei­tei­ler am 05. Mai 2009 und 26. Mai 2009 auf mei­ner al­ten Web­site „kei­ne kuh­haut“. Für Dau­le­ben über­ar­bei­tet.

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