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Aber bit­te mit Kom­ma: Kom­ma vor „aber“

Das Komma vor aber kann man doch oft weglassen, oder? Nein, meist nicht. Die Regeln und vor allem ihre Anwendung sind im Kern einfach; Einzelfälle können happig werden.

Bei und bzw. so­wohl – als auch ist es so ein­fach: Teu­er und gut, So­wohl lang­sam als auch si­cher wer­den oh­ne Kom­ma ge­schrie­ben. Na, dann wird es vor aber ge­nau­so sein, sieht doch gleich aus. 

Es ist be­liebt, vor aber, son­dern und (je)doch das Kom­ma weg­zu­las­sen, und viel­leicht liegt es auch dar­an, dass die fal­sche Par­al­le­le zu ähn­li­chen und-Sät­zen ge­zo­gen wird.

Kurz aber gut.

Lang­sam aber si­cher.

Nicht heu­te son­dern mor­gen.

Der Un­ter­schied zwi­schen und und aber

In­dem wir uns im Ver­gleich gan­ze Sät­ze mit und bzw. aber an­se­hen, ge­lan­gen wir zur Feh­ler­quel­le.

Der Esel iaht(,) und der Hund bellt.

Ge­gen­bei­spiel:

Der Esel ist mucks­mäus­chen­still, aber der Hund bellt.

Im Satz mit aber darfst Du das Kom­ma nicht weg­las­sen. War­um? Kon­struk­tio­nen mit aber und und sind zwei Paar Schu­he. Aber, son­dern und je­doch stel­len zwei Sät­ze oder Be­grif­fe ein­an­der ent­ge­gen und hei­ßen fol­ge­rich­tig „ent­ge­gen­set­zen­de“ oder „ad­ver­sa­ti­ve Kon­junk­tio­nen“.

Die Län­ge zählt nicht

Vor aber, son­dern, je­doch steht im­mer ein Kom­ma, wenn sie zwei Satz­glie­der oder Sät­ze ver­bin­den. Ja, auch dann, wenn nur zwei, drei Wört­chen durch die Kon­junk­ti­on zu­sam­men­ge­fügt wer­den:

Kurz, aber gut.

Lang­sam, aber si­cher.

Nicht heu­te, son­dern mor­gen.

Du lä­chelst si­cher mil­de, wenn ich Dir er­klä­re, dass in den fol­gen­den bei­den Fäl­len na­tür­lich kein Kom­ma vor aber steht. An­ders als in sämt­li­chen vor­an­ge­gan­ge­nen Bei­spie­len wer­den hier nicht Be­grif­fe ein­an­der ent­ge­gen­ge­setzt.

Hil­de­gard aber konn­te da­mit nicht le­ben.

Da je­doch das Geld fehl­te …

Ein­schub oder kein Ein­schub?

„Jetzt ist al­les klar“, reibst Du Dir die Hän­de, und plötz­lich türmt sich der fol­gen­de Satz vor Dir auf: 

Ängst­lich, aber doch vol­ler Hoff­nung, schrit­ten sie auf ihr Ziel zu.

Hier stellt sich die Fra­ge: Ist das zwei­te Kom­ma – nach Hoff­nung – kor­rekt?

Die­ser Punkt ist nicht ex­pli­zit in der amt­li­chen Re­ge­lung ge­klärt. Und selbst die Aus­ken­ner zer­bre­chen sich dar­über den Kopf. Dar­um kann ich Dich be­ru­hi­gen: Ver­mut­lich hast Du bis­lang nicht so viel falsch ge­macht, weil die Mög­lich­kei­ten um­fang­rei­cher sind, als man ver­mu­ten mag. 

Der Du­den-Band „Punkt, Kom­ma und al­le an­de­ren Satz­zei­chen“ (5. Aufl., 2007) ver­tritt die Mei­nung, hier dür­fe kein zwei­tes Kom­ma ste­hen. Ich stim­me dem zu, der Satz wird nach Hoff­nung ein­fach fort­ge­setzt; es han­delt sich im Re­gel­fall nicht um ei­nen Ein­schub.

Aus­nah­men von der Re­gel

Wie ge­sagt, im Re­gel­fall. Denn es gibt Fäl­le, wo sich aber doch vol­ler Hoff­nung durch­aus als Ein­schub ver­ste­hen lässt. Des­halb hat der Du­den-Band ein Tür­chen of­fen­ge­las­sen: „Manch­mal kann man ein zwei­tes Kom­ma set­zen, um die Ent­ge­gen­set­zung als we­ni­ger wich­ti­gen Zu­satz zu kenn­zeich­nen.“ (Sei­te 106) 

Das „we­ni­ger wich­tig“ möch­te ich re­la­ti­vie­ren. Durch das zwei­te Kom­ma kann der der be­tref­fen­de Text­teil auch be­son­ders hevor­ge­ho­ben wer­den, dann ist er nicht we­ni­ger wich­tig, im Ge­gen­teil.

In ei­ner der äl­te­ren Auf­la­gen des ge­nann­ten Bänd­chens fin­det sich da­zu ein schö­nes Bei­spiel (eben­falls Sei­te 106): 

Mei­ne Schwes­ter, je­doch nicht ih­ren Ver­lob­ten[,] hat­ten sie ein­ge­la­den.

Dies lässt sich auf zwei­er­lei Wei­se le­sen. Die ers­te Les­art ent­spricht der Du­den-Be­wer­tung, dass es sich um ei­nen we­ni­ger wich­ti­gen Zu­satz han­delt. Ein Bei­spiel da­zu: ’Mei­ne Schwes­ter hat­ten sie ein­ge­la­den. Ih­ren Ver­lob­ten üb­ri­gens nicht.’ 

Die zwei­te Les­art hebt den Um­stand, dass der Ver­lob­te nicht ein­ge­la­den wur­de, als be­son­ders nen­nens­wert her­vor. Bei­spiel: ’Mei­ne Schwes­ter hat­ten sie ein­ge­la­den. Aber nicht ih­ren Ver­lob­ten, stell dir das mal vor, sie muss­te al­lei­ne dort­hin ge­hen, und Pe­ter war ganz schön sau­er.’

Ich fin­de üb­ri­gens, dass das Kom­ma bei aber weg­lass­ba­rer ist als bei je­doch. In obi­gem Satz wür­de es mir schon schwer­fal­len, das Kom­ma auf Ur­laub zu schi­cken: Mei­ne Schwes­ter, je­doch nicht ih­ren Ver­lob­ten hat­ten sie ein­ge­la­den.

Für die be­spro­che­nen Fäl­le kön­nen wir al­so fest­hal­ten:

  • Re­gu­lär nur ein Kom­ma
  • In Aus­nah­me­fäl­len als Ein­schub wert­bar und dann mit zwei Kom­mas

Ach­tung: Der Be­zug ent­schei­det mit

Geht’s noch ein biss­chen spe­zi­el­ler? Aber ja: 

Ihr Ver­lob­ter wur­de von den Schul­zes, aber auch von den Mül­lers nicht ein­ge­la­den.

Was ist in die­sem Bei­spiel an­ders als in den vo­ri­gen? Man sieht es nicht auf den ers­ten Blick: aber be­zieht sich hier nicht auf von den Mül­lers, son­dern auf auch, es ver­stärkt die­ses auch qua­si. Mit ge­rin­gem Be­deu­tungs­ver­lust könn­te man um­for­mu­lie­ren:

Ihr Ver­lob­ter wur­de von den Schul­zes und [auch] von den Mül­lers nicht ein­ge­la­den.

Oder las­sen Sie auch ein­fach weg – er­gibt der Satz dann die glei­che Be­deu­tung? Nein: 

Der Ver­lob­te wur­de von den Schul­zes, aber von den Mül­lers nicht ein­ge­la­den.

In sol­chen Fäl­len ist die Du­den-Re­dak­ti­on der Mei­nung, hier dür­fe kein Kom­ma ge­setzt wer­den. (Sie­he wei­ter­füh­ren­de Links un­ten.) Der schon er­wähn­te Du­den-Band wi­der­spricht mit ei­nem Bei­spiel, das sehr ähn­lich aus­sieht:

Die meis­ten El­tern, aber auch ei­ni­ge Leh­rer[,] wa­ren da­für.

Hier kommt man nun wirk­lich ins Grü­beln. Ent­spricht die­ses Bei­spiel dem vo­ri­gen? Bei­de Tests sa­gen ja: Er­war­tungs­ge­mäß funk­tio­niert die Er­set­zung mit und; das Weg­las­sen von auch geht wie­der schief: 

Die meis­ten El­tern und [auch] ei­ni­ge Leh­rer wa­ren da­für.

Die meis­ten El­tern, aber ei­ni­ge Leh­rer wa­ren da­für.

Passt al­so. Und trotz­dem ist es mei­nes Er­ach­tens bei die­sem Satz eher denk­bar, ein zwei­tes Kom­ma zu set­zen, als bei un­se­rem Bei­spiel mit dem Ver­lob­ten. Letzt­lich wer­den sich aber im­mer Kon­tex­te fin­den las­sen, die auch ei­ne In­ter­pre­ta­ti­on als Ein­schub und da­mit ein Kom­ma er­mög­li­chen.

Schwie­rig? Ja, schon. In die­sem Be­reich muss man sich ge­ge­be­nen­falls den Ein­zel­fall ge­nau an­se­hen, und oft macht man es ja auch in­tui­tiv rich­tig.

Nach- und wei­ter­le­sen

Ber­ger, Die­ter: Kom­ma, Punkt und al­le an­de­ren Satz­zei­chen. 2., neu be­ar­bei­te­te und er­wei­ter­te Auf­la­ge. Mann­heim 1982 (äl­te­rer Du­den-Band)

Stang, Chris­ti­an; Stein­hau­er, An­ja: Kom­ma, Punkt und al­le an­de­ren Satz­zei­chen. 5., neu be­ar­bei­te­te Auf­la­ge. Mann­heim 2007 (Neu­auf­la­ge des Du­den-Bands)

Auf dem Blog Deut­sche Recht­schrei­bung ha­be ich über die­ses The­ma mit­dis­ku­tiert (sie­he Kom­men­ta­re).

Erst­ver­öf­fent­li­chung als Zwei­tei­ler am 28. Ja­nu­ar 2010 und 16. Fe­bru­ar 2010 auf mei­ner al­ten Web­site „kei­ne kuh­haut“. Für Dau­le­ben über­ar­bei­tet und er­wei­tert.

Auch in­ter­es­sant

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