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In­fi­ni­tiv im Ram­pen­licht: Kom­ma nach „zu“

Wann der In­fi­ni­tiv das Kom­ma zu ei­nem Tänz­chen ein­lädt, ist im­mer wie­der ei­ne span­nen­de Fra­ge. Be­son­ders dann, wenn der In­fi­ni­tiv als Sub­jekt des Sat­zes auf­tritt.

In­fi­ni­tiv als Sub­jekt

Bei ei­nem ein­fa­chen In­fi­ni­tiv darf das Kom­ma weg­fal­len; es ist so­gar eher un­üb­lich, ein Kom­ma nach dem ein­fa­chen so­ge­nann­ten Sub­jekt­s­in­fi­ni­tiv zu set­zen.

Zu ar­bei­ten war ihr im­mer wie­der ei­ne Freu­de.

Die Zwei­fel kom­men wie so oft beim er­wei­ter­ten Sub­jekt­s­in­fi­ni­tiv auf:

Mit die­sem groß­ar­ti­gen Re­dak­ti­ons­sys­tem zu ar­bei­ten war ihr im­mer wie­der ei­ne Freu­de.

Oder:

Mit die­sem groß­ar­ti­gen Re­dak­ti­ons­sys­tem zu ar­bei­ten, war ihr im­mer wie­der ei­ne Freu­de.

Das Kom­ma beim Sub­jekt­s­in­fi­ni­tiv ist jetzt er­laubt. Vor 1996 galt un­ab­hän­gig vom Fak­tor „er­wei­tert – nicht er­wei­tert“ strik­tes Kom­ma­ver­bot; nach mei­ner Le­se- und Kor­rek­tur­er­fah­rung wur­de die­ses Ver­bot zu Recht mit schö­ner Re­gel­mä­ßig­keit miss­ach­tet. Auch beim Re­dak­ti­ons­sys­tem-Satz juckt es ei­nen in den Fin­gern, die Kom­ma­tas­te zu drü­cken. Erst recht, wenn er noch „wei­ter“ wird:

Mit die­sem groß­ar­ti­gen Re­dak­ti­ons­sys­tem in ei­nem Team be­geis­ter­ter Au­to­ren zu ar­bei­ten, war ihr im­mer wie­der ei­ne Freu­de.

Zum Ver­gleich (ab­sicht­lich nicht mar­kiert):

Mit die­sem groß­ar­ti­gen neu in­stal­lier­ten Re­dak­ti­ons­sys­tem in ei­nem Team be­geis­ter­ter Au­to­ren zu ar­bei­ten war ihr im­mer wie­der ei­ne Freu­de.

Le­se­spaß geht an­ders. Dass man den Satz oh­ne­hin schö­ner ge­stal­ten kann, stimmt auch, Bei­spiel­sät­ze ha­ben das manch­mal an sich.

In­fi­ni­tiv als Ob­jekt

Mit die­sem neu­en Re­dak­ti­ons­sys­tem um­ge­hen zu müs­sen, woll­te sie un­be­dingt ver­mei­den.

Ha­ben wir hier ei­ne Wahl? Nein, das Kom­ma war und ist Pflicht. Das gilt frei­lich auch für den ein­fa­chen Ob­jekt­s­in­fi­ni­tiv:

Zu ar­bei­ten, woll­te sie un­be­dingt ver­mei­den.

Aus gu­tem Grund, oh­ne Kom­ma wird’s hier ein gan­zes Stück un­ver­ständ­li­cher und miss­ver­ständ­li­cher.

Fa­zit

Ist der In­fi­ni­tiv ein Sub­jekt, darfst Du das Kom­ma nach Not­wen­dig­keit bzw. Ge­fühl set­zen.

Ist er ein Ob­jekt, setzt man es im­mer.

Erst­ver­öf­fent­li­chung am 07. Sep­tem­ber 2008 auf mei­ner al­ten Web­site „kei­ne kuh­haut“. Für Dau­le­ben über­ar­bei­tet.

Auch in­ter­es­sant

2 Kommentare zu “In­fi­ni­tiv im Ram­pen­licht: Kom­ma nach „zu“

  1. Zu­nächst ein­mal: Tol­les Blog, sehr gu­te und wich­ti­ge Er­läu­te­run­gen, vie­len Dank da­für!
    Dann aber ei­ne Fra­ge zu dei­nem Fa­zit:

    Ist er ein Ob­jekt, setzt man es im­mer.

    Mit dem Ad­verb „im­mer“ ha­be ich in die­sem Fall mei­ne Schwie­rig­kei­ten. Denn die­se Re­gel gilt doch nur, wenn der Infinitv(-satz) dem Haupt­satz bzw. dem Prä­di­kat vor­an­ge­stellt ist, oder? Bei fol­gen­dem Bei­spiel muss man doch kein Kom­ma set­zen, oder?

    Sie woll­te un­be­dingt ver­mei­den zu ar­bei­ten.

  2. Sabrina Tomasi

    Dan­ke sehr!

    Ja, das stimmt. Ich wür­de das Kom­ma in Dei­nem Bei­spiel­satz tat­säch­lich weg­las­sen, der Satz ist kor­rekt. Das Fa­zit be­zieht sich aus­schließ­lich auf die be­spro­che­nen Fäl­le vor­an­ge­stell­ter In­fi­ni­ti­ve. Dan­ke für Hin­weis.

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