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Dep­pen­leer­zei­chen

Was ist an ei­ner Ge­mü­se Piz­za aus­zu­set­zen? Zum ei­nen, dass auf ei­ne or­dent­li­che Piz­za kein ge­sun­des Zeugs ge­hört. Zum an­de­ren, dass et­was, das zu­sam­men­ge­hört, im Deut­schen auch zu­sam­men­ge­schrie­ben wird – oder mit Bin­de­strich.

Dep­pert: oh­ne Bin­de­strich

Mit Dep­pen Leer­zei­chen wird folg­lich die schi­cke Schreib­wei­se von Be­grif­fen be­zeich­net, die ei­gent­lich mit Bin­de­strich ge­trennt wer­den müss­ten.

Kor­rekt heißt es na­tür­lich ent­we­der Dep­pen-Leer­zei­chen oder bes­ser: Dep­pen­leer­zei­chen. (Das Dep­pen­leer­zei­chen ist üb­ri­gens der gro­ße Bru­der des Dep­pen­apo­strophs; über den un­ter­hal­ten wir uns bald.)

Bei­spie­le da­zu fin­det man täg­lich im Le­ben; sie brin­gen nicht nur die Kinn­la­de zu Fall, son­dern ma­chen auch Spaß. Man­cher­orts im Web oder in den Bü­ros von Lin­gu­is­ten wer­den sie flei­ßig ge­sam­melt. Olaf Krau­ses Fund­stü­cke be­rei­chern uns um die Er­kennt­nis, dass ei­ni­ge Wer­ber von Gram­ma­tik­kennt­nis­sen pro­fi­tie­ren könn­ten.

Das letz­te Bei­spiel ist be­son­ders ku­ri­os. Do­ve Pro­dukt­pa­let­te si­gna­li­siert dem Le­ser, dass er es mit Pro­duk­ten zu tun hat, die nach Ein­schät­zung des Ver­fas­sers kei­ne ho­he Qua­li­tät oder an­de­re Nach­tei­le ha­ben, je­den­falls nicht gut sind.Olaf Krau­se: (Fal­sche) Ge­trennt­schrei­bung von Sub­stan­tiv-Kom­po­si­ta – Häu­fig­keit und Pro­ble­ma­tik, S. 72

Grau­zo­nen: manch­mal ist leer gar nicht so doof

Wäh­rend man über un­frei­wil­lig doo­fe Pro­dukt­pa­let­ten oder re­du­zier­te Pro­fis noch ein­hel­lig la­chen kann, be­ginnt beim Ser­vice Point schon die Dis­kus­si­on: Was ist dar­an dep­pert?

Es gibt näm­lich durch­aus Grau­zo­nen, wo sel­ten je­mand me­ckert – sie be­tref­fen:

1. Be­grif­fe, die als Gan­zes di­rekt aus dem Eng­li­schen stam­men

Ne­ben dem ge­nann­ten Ser­vice Point gä­be es da zum Bei­spiel das Call Cen­ter. Sol­chen eng­li­schen Im­por­ten er­lässt man den Bin­de­strich häu­fig.

Bei Ser­vice, ei­nem be­reits hei­misch ge­wor­de­nen Wort, ist das na­tür­lich Er­mes­sens­sa­che, bei First-Class-Ser­vice wür­den mir die Bin­de­stri­che schon wie­der feh­len; das liegt auch dar­an, dass man drei Zu­sam­men­set­zungs­be­stand­tei­le so noch bes­ser als zu­sam­men­ge­hö­rig er­kennt.

Und Vor­sicht: In dem Au­gen­blick, wo nur ein ein­hei­mi­sches Wort hin­zu­kommt, ist ver­bind­lich Schluss mit leer: Ser­vice-Schal­ter.

2. Fir­men­na­men, Stif­tun­gen etc. und die Wer­bung

Es hat sich in ei­ni­gen Un­ter­neh­men ein­ge­spielt, dass Fir­men­na­me + Be­griff grund­sätz­lich oh­ne Bin­de­strich ge­schrie­ben wer­den. Das kann man be­wer­ten, wie man will, auf je­den Fall ist so et­was Ver­ein­ba­rungs­sa­che, weil Fir­men­schrei­bun­gen und Wer­be­spra­che grö­ße­re Frei­hei­ten ge­nie­ßen.

Trotz­dem sind sie streng­ge­nom­men falsch. Da die­se Schrei­bun­gen oft be­kannt und ver­traut sind, wer­fen sie we­ni­ger Ver­ständ­nis­pro­ble­me auf. Doch wirk­lich pro­blem­los sind sie auch nicht.

Des­halb bie­tet Sa­to Recht­schrei­b­lö­sun­gen seit 2008 Se­mi­na­re an.

Was bie­tet Sa­to an? Recht­schrei­b­lö­sun­gen? Ach so, nein, die Fir­ma (lass mich ein we­nig träu­men) heißt Sa­to Recht­schrei­b­lö­sun­gen und bie­tet Se­mi­na­re an.

Die lan­ge Er­kennt­nis- und Er­klä­rungs­schlei­fe hät­te man sich bzw. den Le­sern mit ei­nem klei­nen Strich­chen er­spa­ren kön­nen:

Des­halb bie­tet Sa­to-Recht­schrei­b­lö­sun­gen seit 2008 Se­mi­na­re an.

Sieht das wirk­lich un­coo­ler aus? Ich fin­de nicht.

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Schmun­zeln und wei­ter­le­sen

An­schau­ungs­ma­te­ri­al gibt es reich­lich, zum Bei­spiel auf deppenleerzeichen.de und deppenleerzeichen.info.

Dr. Olaf Krau­se hat sich aus sprach­wis­sen­schaft­li­cher Sicht aus­führ­lich mit der Fra­ge be­schäf­tigt, war­um die Dep­pen­leer­zei­chen so häu­fig auf­tre­ten und was an ih­nen faul ist.

Krau­se, Olaf: (Fal­sche) Ge­trennt­schrei­bung von Sub­stan­tiv-Kom­po­si­ta – Häu­fig­keit und Pro­ble­ma­tik. In: Ma­thi­as, Ale­xa; Run­kehl, Jens; Sie­ver, Tors­ten: Spra­chen? Viel­falt! Spra­che und Kom­mu­ni­ka­ti­on in der Ge­sell­schaft und den Me­di­en. Ei­ne On­line-Fest­schrift zum Ju­bi­lä­um von Pe­ter Schlo­bin­ski (= Net­worx 64). Han­no­ver 2014, S. 37 – 80

Wenn Du den Ar­ti­kel le­sen willst, brauchst Du kei­nen Bi­blio­theks­aus­weis. Die Fest­schrift ist auf mediensprache.net frei her­un­ter­lad­bar.

Erst­ver­öf­fent­li­chung von »Dep­pen­leer­zei­chen« am 10. März 2009 auf mei­ner al­ten Web­site „kei­ne kuh­haut“. Für Dau­le­ben über­ar­bei­tet und er­wei­tert.

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